Meta - Wuhan

Spotlights und/oder Laternen

Mittwoch, 27. April 2011

China und der Rest der Welt

China schickt E-Mails von 6000 Gmail-Account, um zu verhindern, dass das Tor-Projekt von chinesischen "Bürgern" (passender wäre Untertanen, oder noch besser, Leibeigenenen) benutzt wird. Die Geschwindigkeit, mit der auf ausländische Webseiten zugegriffen werden kann, beträgt ca. 1% der Geschwindigkeit, die im innerchinesischen Pseudonetz möglich ist. Das Gebahren der chinesischen Führung ist in einem Ausmaß lächerlich, dass man ansonsten nur in Bananenrepubliken vermuten würde. Andererseits: Was, als eine Bananenrepublik ist dieses Land schon? – Polizisten beschlagnahmen willkürlich Fahrzeuge, weil diese angeblich als Taxis eingesetzt werden, Visabestimmungen werden nicht eingehalten und bei der Beantragung wird eine Erklärung der tatsächlich geltenden Bestimmungen verweigert, rechtliche Bestimmungen richten sich nach Personen und nicht nach der Sache und wer der richtigen Familie angehört, der wird auch nicht gefoltert, weil er möglicherweise dies oder jenes verbrochen hat. Kurz gesagt: Ich kann dieses Land nicht mehr ernstnehmen.

Die Menschen hier werden domestiziert und konditioniert. Arbeitskraft ist ein Rohstoff.

Dies mag daran liegen, dass dieses Land in Wirklichkeit nur eine Firma im Privatbesitz einiger Familien ist. Diese Firma wird natürlich so geführt, dass es den Untertanen möglich ist, Mehrwert zu erwirtschaften, was wahrscheinlich durchaus zu Recht als Erfüllen der staatlichen Pflichten bezeichnet werden kann. Das Vieh auf der Weide muss gefüttert werden. – Und es muss bei Laune gehalten werden, denn sonst frisst es schlecht und erwirtschaftet unbefriedigende Erträge.

Natürlich muss auch verhindert werden, dass die Herde auseinanderfällt, immerhin entsteht gerade dort besonders viel Leistung, wo die Herdenmitglieder untereinander in ein Konkurrenzverhältnis treten und also versuchen, ihren Rang innerhalb der Gruppe zu verbessern. Diese Anstrengungen werden vom sogenannten Staat natürlich gerne gesehen und unterstützt. Um aber die Abwanderung zu verhindern und die Gruppe trotz aller Binnenkonkurrenz zusammenzuhalten, braucht es gruppenübergreifende Konzepte. Und so kommt es dazu, dass rassischer und kultureller Chauvinismus mitnichten Erscheinungen des vorletzten Jahrhunderts sind, sondern in einem Teil der Welt aufs neue ihren Zweck entfalten können, gezielt gefördert von „staatlicher“ Seite.

Ca. 95% von dem, was China ist, kommt aus dem Westen. 80% dieser 95% sind amerikanisch. Doch China hat sich nicht modernisiert, weil der Westen etwas dafür getan hätte, oder weil China sich dies gewünscht hätte. Es ist ein Missverständnis zu denken, dass gewisse Denkmodelle, die ich bisher für „Einsichten“ hielt, sich durchgesetzt hätten, weil führende Kreise ihre Richtigkeit erkannt hätten. Als Beispiel: Treibhauseffekt und bevorstehender Ölmangel sind seit langem bekannt. Dennoch boomt die Autoindustrie und eine normale Straße hat mindestens 4 Spuren. Es sind gewiss nicht die Einsichten gewesen, die dazu geführt haben, dass der Zustand, wie er nun vorliegt, besteht. Es ist viel grundsätzlicher. Einsichten sind Luxus, geboren aus der Muße (und Freiheit) denken zu können „... was wäre, wenn ...?“ Viel grundsätzlicher sind: Not und Gier. Not trieb China zum Studium ins Ausland. Gier brachte die Ausländer nach China. Es geht und ging wahrscheinlich niemals um einen Austausch oder ein „voneinander lernen
. Ziel allen Kontakts ist der Profit. Und da es sich als profitabler erwiesen hat, Firmen in hierarchischer Struktur zu organisieren, folgt China diesem Modell und ist feudal und hierarchisch bis ins letzte Detail.

Es ist bedenklich, konstatieren zu müssen, dass Rückständigkeit in den Bereichen der Diskussionskultur und der Bildung, zusammen mit nationalen Entwurzelungstraumata ein Klima geschaffen haben, in dem das Denken schwerfällt. Der Zweck heiligt die Mittel. Der Unterschied zwischen China und mir besteht darin, dass ich in diesem Satz eine moralische Kritik erkenne, die den Chinesen hingegen vielleicht auf ewig verborgen bleiben wird. Denn NATÜRLICH ist der Zweck das Wichtigste. Und wenn der Zweck es erfordert, wäre man dumm, wenn man nicht jedes Mittel nutzte.

In diesem Sinne – bewaffnet euch gut.


Donnerstag, 18. Juni 2009

pamphlet für dr. faust

Ich habe lange kein besseres Beispiel für etwas, das ich "beredte Dummheit" nenne, gefunden, als das, was Volker Faust, Prof. Dr. der Medizin sich aus Enzyklopädien zusammenschreibt, um es dann mit eigenen Worten von einer Meinung zu einem – Tatsache! – Krankheitsbild umzuverformulieren(1).

Das wird am Beispiel der "Blasiertheit" deutlich, einem Begriff, der mich persönlich natürlich ebenso angeht, wie das, was Herr Faust über "Wahn" und "Wahnvorstellungen" zu sagen weiß – beides Sachverhalte, in denen ich mich, manchmal scheint mir sogar viel zu gut, auskenne.

Dem lieben Professor scheint es bisher nicht klargeworden zu sein, dass jemand, der von "bedenklichen Charakterzügen" und "Opfern der Blasiertheit" spricht, sich dem Verdacht aussetzt, Menschen nicht mehr wissenschaftlich erforschen zu wollen, sondern bereits standardisiert zu haben. Überhaupt muss das ganze Vorhaben alleine schon deswegen scheitern, weil in keiner Sprache Begriffe zur Verfügung stehen können, die eine Eigenschaft objektiv (im Sinne von wertneutral) beschreiben. "Blasiert" ist nicht, wie es Herr Prof. Faust durchgängig behauptet, eine Eigenschaft, die die Menschen zu allen Zeiten hatten, auch wenn der Brockhaus es als Eigenschaft zu definieren versucht. Auch der Brockhaus hatte einen Autor und auch dieser Autor kann den Begriff der "Blasiertheit" ohne den leibhaftigen Präzedenzfall ("Kennen Sie Herrn X?" "Ach, dieser blasierte Affe.") nicht adäquat beschreiben. "Blasiert" ist und bleibt ein Werturteil über eine ganz bestimmte Person und dass Herr Faust das nicht bemerket und munter von menschlichen "Eigenschaften" spricht, die sich, ganz im Unterschied zu den Begriffen, mit denen man diese Eigenschaften benennt, in allen Zeiten grundsätzlich nicht ändern, darin liegt diese schlichtweg verblüffende Unvernunft, die mich dazu aufforderte, dieses Pamphlet zu verschreiben (2).

Der, so Faust, "berühmte" Professor Dr. Ph. Lersch formuliert:
"Blasiert ist derjenige, der durch sein Verhalten zu verstehen gibt, niemand sei wert, seine Aufmerksamkeit zu erregen, nichts gebe es, was er nicht bereits erlebt und ausgekostet habe."
"Ein solches Verhalten", so Faust,
"beruhe entweder auf eigener Erlebnisunfähigkeit und innerer Leere oder stelle eine Technik der Herabsetzung des anderen dar, durch die eine demonstrative Kundgabe von Gleichgültigkeit und Uninteressiertheit erzeugt werden soll."
Es versteht sich von selbst, dass es sich hierbei ganz klar um eine Krankheit handeln muss, unter der der blasierte Mensch – notfalls "unbewusst" – mit Sicherheit ganz enorm leidet.


Da es sich um eine Krankheit handelt, gibt es für sie eine Ursache (Wunsch nach "Überhöhung" der eigenen Person), sowie verschiedene kennzeichnende Symptome: halbseitige Muskelakrobatik, "strategischen" "Missbrauch" der Lachmuskulator, Stirnkräuseln, leises Sprechen, uvm.

Fleißig listet Herr Faust alle Merkmale auf, die darauf schließen lassen, dass es sich bei fraglichem Unsympathen, im – wenig wissenschaftlichen, dafür aber um so subjektiveren – Volksmund schlicht "Arsch" genannt, um einen armen Teufel handelt, der an "Geltungssucht" leidet und diese, O-Ton Faust, "instinktsicher" kaschiert, bzw. auslebt. Im Zusammenhang von abnormalem Verhalten von "instinktsicher" zu sprechen, hat seine ganz eigene Komik, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte.

Würde man alle das Gemüt und den Charakter beschreibenden Adjektive zusammennehmen, die Herr Faust in seinem Artikel verwendet, man könnte mühelos ein Theaterstück mit den interessantesten Personen daraus konzipieren. Psychopathen, Blender, Snobs und Dandies, Exaltierte und Antriebsgeminderte kommen eben so vor wie Pubertierende, Gelangweilte oder verzogen vom Luxus "Verwöhnte". All diesen gemeinsam ist ihre Ähnlichkeit zum Menschen mit der pathologischen Eigenschaft der Blasiertheit, die unter anderem auch dazu führt, dass in egozentrischer Manier bestehende Regeln und Konventionen beiseite geschoben werden. – Was dann der eigentliche Skandal beim Blasierten zu sein scheint.

Doch warum diese Regeln, wie es wenigstens der Blasierte selber glaubt, beiseite geschoben werden müssen, oder warum dieses Schieben von denen, die den Regeln folgen möchten, als übersteigerte "Geltungssucht" bezeichnet wird, darauf bleibt Herr Faust eine Antwort schuldig. Offenbar gibt es in seiner Welt die Norm und das moralisch absolut Gültige noch. Die Wahrheit, die Norm, die wie Faust einräumt, wenigstens als die "Norm einer Zeit" in den "das Wissen abbildenden" Enzyklopädien vorliegt, kennt aber der Blasierte gar nicht, denn dieser ergeht sich, statt in trivialer Erfüllung der gesellschaftlichen Erwartungen, in "verunsichernden" Anspielungen oder (was genauso verunsichernd ist) in einer zur Schau getragenen Unwissenheit der enzyklopädisierten Wahrheit, deren ethisch verbindliche Wahrheit er nicht wahr haben will oder schlimmer noch kann, weil er ja viel zu blasiert dazu ist!

Ich bin mir sicher, Herr Faust kennt die entsprechenden Substanzen, mit denen dieser arme Außenseiter wieder ein lebenswertes Leben bekommen kann, und könnte sie ohne größere Mühe aus einer seiner Enzyklopädien heraussuchen. Und wenn die Therapie erfolgreich ist, dann wäre ihm der kurierte Blasierte mit Sicherheit auch anschließend sehr dankbar. Man könnte im Rahmen einer fachärztlichen Therapie seine Psyche in bezug auf die Beachtung der richtigen moralischen Grundsätze Punkt für Punkt richtig einstellen und evtl. könnte er dann auch verstehen, was Wissen bedeutet und echtes Zusammenleben ohne egozentrische Konflikte. Und damit wäre doch jedem gedient, oder nicht?

Lieber Herr Faust, ich muss Ihnen eine betrübliche Mitteilung machen. Nach gründlicher Anamnese und reiflicher Konsultation mit meinen Kollegen in Großhirn und Kleinhirn, muss ich leider bei Ihnen einen zwanghaften Drang zur Orientierung an Menschen diagnostizieren, denen Sie aufgrund ihrer Position eine zu hohe Relevanz einräumen. Eventuell sind Sie außerdem zu leichtgläubig und zu leicht zu verunsichern. In Ihrem derzeitigen Zustand sind Sie jedenfalls bedauerlicherweise zur Blasiertheit vollkommen unfähig! Es tut mir leid. Ihre Lebensqualität ist durch die Anbindung an Menschen, die Sie nur aus Büchern kennen, eingeschränkt und ich empfehle Ihnen deswegen eine Gesprächstherapie mit Menschen, die Sie lieben und noch mehr mit Menschen, die Sie hassen und verachten. Begleitend dazu außerdem die Einnahme einer ordentlichen Portion Koks über einen Zeitraum von wenigstens 6 Monaten, um Ihre Drang zur Fremdorientierung und Ängstlichkeit einzudämmen. Ich bin optimistisch, dass es Ihnen anschliessend leichter fällt, auch Ihr eigenes Leben und Ihre eigene Dummheit in die Seelenruhe der Blasiertheit zu retten.Auf gutes Gelingen!

Ihr


----------------------------------------------------------
(1) Ich habe seit längerem den Eindruck, dass das Sprechen die Realität derart schlecht abbildet, dass von "formulieren" gar keine Rede mehr sein kann. Ich plädiere deswegen dafür, nur noch von "verformulieren" zu sprechen, um klarzumachen, dass man sich darüber bewusst ist, möglicherweise eine Sache lediglich "zu vermeinen".
(2) s.o.

Freitag, 12. Juni 2009

texter

Volker Morbach lebt in Wuhan, Hubei, China. Von Haus aus ist er Weintrinker. Von Herzen ist er Texter. Beruflich Sinologe, meistens Übersetzer. In seiner Freizeit ist er Texter, daneben Briefroman-Autor, Ideen-Generator, Universalwissenschaftler und Possendarsteller. In seiner Vergangenheit war Volker Texter, außerdem Sinologe, Wissenschaftler, Bühnenpoet, und Reporter.

Volker liest gerne Texte. Besonders gut geschriebene. Besonders ganz besonders gut geschriebene. In den Sprachen Deutsch, Englisch und Chinesisch. Wenn er Texte liest, schreibt er meistens kurz darauf einen eigenen Text, in dem er darstellt, was in seinem Kopf vorgeht. Viele dieser Texte landen in Schubladen. Manche in Briefen. Manche im Internet. Manche auf der Bühne. Manche in Büchern. Manche in den Köpfen eines Menschen, der so ist wie Volker. Der gerne gute Texte liest. Der besonders gerne ganz besonders gute Texte ganz besonders gerne liest. Dann freut sich Volker und er liest und schreibt noch mehr – Texte, denn Volker ist
Texter
sind seltsame Menschen.
Manche werden verrückt oder besessen von einem Thema und werden dann Schriftsteller. Manche werden arm und lethargisch und werden dann Koch und Kneipenphilosoph. Manche bekommen aber auch ein Buch über Psychologie und Marketing in die Hand und werden dann Bestseller-Autoren.

Normale Texter sind seltsame Menschen. Sie erinnern sich bei Liedern nicht an die Melodie, sondern an Textstellen, bei Bücher nicht an den Inhalt, sondern an Formulierungen, wenn sie schlafen, träumen sie Geschichten, wachen sie auf am Morgen, dann kommt es vor, dass sie recht wunderliche Formulierungen in Konzeptbücher kritzeln, die sie nie wieder lesen. Denn Texter haben kein Thema. Sie schreiben alles auf, was gut klingt, und lesen alles, was gut klingt. Und am allerliebsten sind ihnen Texte, die gut klingen und sich leicht lesen, weil sich in ihnen keine irritierenden logischen Fehler finden. Aus diesen Gründen sind Texter hervorragende, wenn auch langsame
Übersetzer,
arbeiten ständig an mehreren verschiedenen Versionen eines Textes,
haben eine natürliche Abneigung gegen mechanisches Vorgehen,
arbeiten langsam und wenn sie arbeiten, dann vergessen sie, dass sie
arbeiten und sind das, was sie sind,

Wort-, Logik- und Textfanatiker.

tbc

Montag, 25. Mai 2009

gamble

folgt...

Freitag, 8. Mai 2009

world of the ant-queen

Wow,

es war und ist durchaus bemerkenswert:
Ich saß heute im Büro eines Schuldirektors und wir warfen uns, so gut wir das vermochten, gegenseitig Zuckerstückchen zu.
"Ihre Schule ist großartig."
"Sie könnten eine wichtige Lehrperson für unsere Schule werden."
"Ich bedauere sehr, damals aus dem Lehrbetrieb ausgeschieden zu sein."
"Ich und die Schule haben vollstes Verständnis für diese Entscheidung aus der damaligen Situation heraus."

So ging das. In mehreren Etappen und wechselnden Themen. Für sich genommen wäre das aber nichts Besonderes. Natürlich ist man nett zueinander, wenn einer den anderen ficken will. Ein Unternehmen hat bestimmte Anforderungen an seine Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter hat bestimmte Anforderungen an sein Unternehmen. Sind sie nett zueinander, dann erkennen sie vielleicht, wie vertrauenswürdig und möglicherweise gar vielversprechend der andere ist.
Konkret ging es um eine Festanstellung. Mit Visum und Wohnung für mich. Mit Arbeit von mir für die Firma in einer neuen Zweigstelle der Schule. In einem eher weniger entwickelten Stadtteil der Stadt. Ich fragte also vorsichtig nach dem zu erwartendem Gehalt und dem damit verbundenen Arbeits-, d.h. Zeitaufwand. Die Antwort machte mich nachdenklich und ich äußerte vorsichtige Bedenken. Mein Chef in spe wies mich dezent darauf hin, dass mein Weggang im vergangenen Jahr durchaus auch eine Enttäuschung für die Schule dargestellt hatte und dass es den IDEALEN Job nicht geben kann und ich hielt dieser Ansicht in eher verteidigender Absicht entgegen, es sei wohl schwerlich eine Sünde, nach dem Besten wenigstens zu suchen.
Und dann geschah das Interessante:

Mein Chef in spe stellte mir eine rhetorische Frage.
Wenn mir jemand eine rhetorische Frage stellt, dann lache ich normalerweise. In diesem Fall lachte ich nicht, denn die Frage lautete: "Wenn Sie erhoffen, dass Ihre Frau gleichzeitig schön, intelligent und reich ist, wie können Sie eine solche Frau für sich einnehmen." Die Frage war so gestellt, dass die Antwort nur ein "Gar nicht." lauten durfte. Oder ein Lachen. Als ich diese Frage hörte, antwortete ich nicht und ich lachte nicht, sondern schaute meinen Chef in spe zuerst einmal verwundert an. Das erschien mir die höflichste Reaktion zu sein. Wer mich kennt, der weiss, wie kurz ich davor war, ihm angesichts dieser impliziten Beleidigung nicht nur meiner Person, sondern auch der Person meiner Zukünftigen sein schönes Büro zu zerschlagen. Getreulich wiederholte er angesichts meines offenkundigen Unverständnisses seine unmögliche Frage und wartete erneut auf die vorgegebene Antwort. Nun konnte ich mich nicht mehr dumm stellen und musste etwas tun. Aus einer gewissen Verlegenheit heraus, denn der arme Mann wusste ja gar nicht, was er da gerade gesagt hatte, legte ich einen Finger an die Wange, schaute ihn an und dann grinste ich ihm durchaus unverschämt entgegen: "Vielleicht..." begann ich, und dieser Moment war der einzige des gesamten Gesprächs, den ich wirklich genoss, "...weil ich selbst so schön... und intelligent und..." hier brach ich ab, denn ich hatte nicht vor, seine Dummheiten vollständig zu wiederholen. Noch bevor ich abbrach, war das Gespräch für ihn beendet. Er stand auf und sagte: "Wenn Sie so denken, dann gibt es wahrscheinlich keinen Platz für Sie an unserer Schule und wir können erst dann weitersprechen, wenn sie ein wenig reifer geworden sind."


Das wiederum haute nun mich um. Mir war von Anfang an klar, dass ich es mit einem Profi zu tun hatte, dessen Zuckerstücke kein vor Hunger verreckendes Schwein anrühren würde. Dass dieser aber die Spielregeln brechen und die letzte Phase des Palaverns einfach überspringen könnte, darauf war ich nicht vorbereitet gewesen.

Sein Aufstehen war natürlich immer noch nicht das Ende des Gesprächs, es folgten noch einige klärende Worte, Sinn, Zweck und potentielle Qualität der Welt und des Lebens in ihr betreffend (Sie lauteten in etwa: "Entschuldigen Sie, aber die Antwort lautet natürlich 'niemals', aber was für eine traurige Welt wäre das?" worauf er antwortete: "Aber ist die Welt nicht so?" "Die Welt ist traurig?!" "Genau." Er hielt das für eine Selbstverständlichkeit, deren Anzweifeln nur durch Dummheit oder mangelnde Reife zu erklären sei könne. "Ach so ist das also!?" (Ich frage mich das ja seit mehr als 10 Jahren!) "Ja." war die Antwort. "Auf Wiedersehen." "Goodbye.") und so verabschiedeten uns in dann in dann auch ausserordentlich ehrlichem Einvernehmen voneinander.

Aus dieser Episode lassen sich mehrere interessante Rückschlüsse ziehen.
  1. Zum einen ist es nicht von Vorteil, auf rhetorische Fragen zu antworten. Es ist vielleicht entweder dumm oder unverschämt. Wahrscheinlich aber beides.
  2. Zum anderen ist es nicht von Vorteil, rhetorische Fragen überhaupt zu stellen, denn es zeugt von mangelndem Respekt dem Gesprächspartner gegenüber. (zumindest, wenn sie nicht wenigstens grotesk-komisch sind)
  3. Und letztlich wurde mir eindrucksvoll bewiesen, dass ich mich, seit ich 19 bin, zum Nachteil meiner potentiellen Arbeitgeber nur unmaßgeblich kultivieren konnte und noch immer mit heißem Herzen Dinge erhoffe, deren Unmöglichkeit für andere Menschen der Inbegriff des Selbstverständlichen sind.
Und als ich dann nach Hause fuhr, fühlte ich mich sorglos genug, all dieses durchaus zu begrüßen.




Donnerstag, 7. Mai 2009

bemerkungen zum begriff der (welt-)flucht

Einige Menschen behaupteten
ICH
sei auf der Flucht, verkennen dabei, dass Welt keinen Ausgang hat.
Wie können sie das?!
In einem fürchterlich materiellen Sinne mag der Tod einen Ausgang darstellen, dieser vielzitierte Kontrapunkt jener Selbstentäußerung, allgegenwärtig verehrt und angebetet als das sogenannte "Glück", das im üblichen Sinne der gesellschaftlich anerkannte Fluchtpunkt ist, für jenes "Flüchten", das in der Angst vor dem Tod einen seiner Ausgangspunkte hat.

Nun ist der Mensch aber, ebensowenig wie die ihn umgebend-durchdringende Welt, keine Keller-Maschine. Er definiert sich nicht und keinesfalls liegt er vor, in verschiedenen, klar abgrenzbaren Stadien und Zuständen, die einander abwechseln würden. In erschreckender Weise ist der Mensch sogar statisch. Entwicklungen und spirituelle Reisen sind ihm unmöglich, der scheinbare Unterschied, der zum Mißverständnis von Wissen und Zeit führt, ergibt sich aus der Suche nach Anhalts-, d.h. Haltepunkten, wo in Wirklichkeit ein allumfassendes Panorama immer schon vorhanden ist. Mensch und Welt sind und bleiben undefiniert, auch wenn ein Fokus sie treffen und ein Stück aus ihnen herausschneiden kann, und somit, in anderen Worten, einen kleinen Teil der Welt zum alleinig "Relevanten" erheben kann.

Dieser undefinierbare Nebel (das Universum) und der statische Charakter seiner Zeitlich- und Wandelbarkeit macht mir persönlich strategisches Vorgehen mein Leben betreffend unmöglich und so muss ich betrübt um eine Antwort verlegen bleiben, wenn man mir gutgemeint/vorwurfsvoll "anattestiert", ich sei auf der Flucht. – Denn deren "wohin" und "wovor" verstehe ich nicht.

.

der gigantische Felsblock (Traum)

Ich schaute mir in diesem Traum zusammen mit 3 Freunden und einer (unbekannten) Angebeteten einen Videofilm an. Einen deutschen Kinofilm von ca. 2006. Ich fand den Film richtig inspirierend/intelligent. Er handelte von einem Liebespaar, das immerzu Glück hat. Dieses Glück wird in dem Film in der Form erzählt, dass das Liebespaar eine Reise zusammen macht. Sie kaufen sich ein Auto und fahren einfach los. Ein Road-Movie also. Dass sie immerzu Glück haben liegt daran, dass sie einen GIGANTISCHEN Felsblock folgen, der vor ihnen wegrollt und alles wegwalzt und somit Platz macht für ihre Road-Movie-Idylle. Der Film ist richtig gut. Dieser Felsblock ist eine Annahme des Fahrers. Er sagt immerzu: "Mach dir keine Gedanken. Wir müssen einfach nur diesem GIGANTISCHEN Felsblock folgen" und alle fragen ihn immerzu "Aber wo ist der?!?" Der Fahrer sieht ihn, die anderen nicht. Das ist wirklich sehr amüsant. Und manchmal gibt es eine Kameraeinstellung in der der Zuschauer die "unsichtbare" Schneise sehen kann, die der rollende Stein geschaffen hat.
Irgendwann wird es dem Fahrer aber zu bunt und er biegt ab und ÜBERHOLT den gigantischen Felsblock auf einer Seitenstrasse. Er verflucht diesen verdammten Stein und überholt ihn und wendet und hält geradewegs auf ihn zu und – der Stein weicht aus! Der Fahrer ist sehr verwundert und er fragt sich, wer hier eigentlich wem folgt. Folgt er dem Stein oder folgt der Stein ihm?
An dieser Stelle wird der Film von meiner Angebeteten angehalten und sie geht mit ihrem Freund/Bekannten (das war unklar, wie die beiden genau zueinander stehen) nach draußen und kommt eine Ewigkeit nicht wieder. Ich warte zusammen mit der verbliebenen Person in dem Zimmer (in China) und warte darauf, dass es weitergeht. Irgendwann frage ich, was denn nun mit den beiden ist. Es stellt sich heraus, dass sie ihren Bekannten nach Hause fährt, das ist in Deutschland. Und die beiden sind losgefahren, ohne mir ein Wort davon zu sagen. Alleine kann ich den Film nicht weiterschauen und ich bin sehr enttäuscht und unterhalte mich dann mit den beiden verbliebenen Freunden über andere Dinge.